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Hanna und ihr Tagebuch



Gerhard Cieslik

27.06.07 Schreiben kann helfen...


Verfasser des Schriftstücks:
Gerhard Cieslik

Hanna und ihr Tagebuch

Für den April ist es ein außergewöhnlich sonniger Tag und Hanna ging nach dem Aufstehen mit ihrem Cappuccino direkt auf die Terrasse unter ihr Pavillon. Sie liebte es am Morgen an diesem stillen von Rosenduft umnebelten Örtchen. Hier konnte sie ihren Gedanken freien Lauf lassen, konnte Kraft tanken für den Tag. Es war ein Plätzchen, an dem sie glücklich war und so war es auch heute. Sie dachte über vieles nach und versank ganz in ihren Gedanken. Sie dachte an ihre Beziehung mit Christoph, den sie auf eine süße Art immer frech „Stoffel“ nannte. Sie dachte an die Zeit vor ihrer Heirat und was sich seither verändert hat. Sie hat es in keinem Moment bereut, auch wenn die Beziehung selbst auch in tiefe Täler der Zerwürfnisse fällt. Aber das macht doch auch ein Beziehung aus, diese Täler gemeinsam zu durchschreiten, um wieder gemeinsam auf eine lichte Anhöhe zu kommen, von der aus man wieder neu zueinander findet. Wenn Hanna so darüber nachsinnte, spürte sie die Liebe und ihr Glück. Genau dafür war sie dankbar und wusste genau, wem sie alles zu verdanken hatte. Hanna dachte immer, solche Momente müssten festgehalten werden und sie versuchte diese in ihrer Art Tagebuch zu verewigen. Es sind Momente des Lebens, die man nicht erstreben, sondern sich nur schenken lassen kann. Es sind Momente in denen man einfach auch mal nur die Hand aufhalten und sich im Herzen anrühren lassen darf. Das Leben wird doch gerade dadurch lebenswert und vor allem erst liebenswert. Hanna ist deshalb so sensibel an dieser Stelle, weil sie eben auch die anderen Momente kennt, in denen sie niedergeschlagen, vom Leben enttäuscht und von Verzweiflung geplagt ist. Die feine Sensibilität des Gemütes eines Menschen kann sowohl ein Segen als auch ein Fluch sein. Das hat Hanna mehr als einmal erfahren. Es ist daher auch ein Grund mehr, diese Art von Tagebuch zu führen, weil es sich wie ein Spiegel ihrer eigenen Seele lesen lässt. Vielleicht ist das der tiefere Sinn, der sich im Dickicht der Verborgenheit versteckt. Ein weiterer Grund ist ihre Leidenschaft für das geschriebene Wort. Sie liebt es in Büchern vollständig zu versinken, sie liebt es selbst zu schreiben, auch wenn sie sich oft dadurch quält, weil sie nicht mit ihrer Ausdrucksweise zufrieden ist. Aber ihr geht es um die Phantasie, um die Einbildungskraft und die Ideen. Deshalb bewundert sie manchmal auch im Stillen die Kinder, wenn sie ganz in einer Phantasiewelt gebannt miteinander spielen. Sie denkt dann an ihre eigene Kindheit zurück und schmunzelt.
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