Buchempfehlungen für den November und Dezember von Cohen & Dobernigg

Perlen des Monats: Unsere Hamburger Lieblings-Buchhandlung Cohen & Dobernigg, legt Euch neue, lesenswerte Bücher ans Herz – ihre Buchempfehlungen für den November und Dezember.

Wir lieben Bücher und wir lieben Buchhandlungen. Zum Glück gibt es – Jeff Bezos zum Trotz – noch Buchhandlungen wie Cohen & Dobernigg. Diese beweist nicht nur ein besonderes Gespür für literarische Schätze, sondern veranstaltet  – sofern das in Zeiten von Corona möglich ist – regelmäßig kulturelle Events und Leseveranstaltungen und fördert auf die Weise die lokale Schriftstellerszene. Und natürlich wird man hier exzellent beraten und kann so ziemlich jedes noch so nischige, unbekannte Buch innerhalb weniger Stunden (oder maximal weniger Tage) bestellen. Aber nun zu den aktuellen Buchempfehlungen. PS: Der Winter ist bekanntlich lang, deshalb gibt es diesmal extra viele Lesetipps.

 

Empfehlungen von Lena Meyer, Cohen & Dobernigg Buchhandel: 

 

Afropäisch von Johny Pitts (übersetzt von Helmut Dierlamm)

„Und wo kommst du eigentlich her?“ Viele schwarze Europäer kennen diese Frage. Dabei gibt es längst eine gelebte afropäische Kultur. Um sie zu erkunden, bereist Johny Pitts die Metropolen des Kontinents. Er erzählt von Künstler*innen, Aktivist*innen, Restaurantbesitzer*innen, Arbeitenden und zeigt, wie sehr sie Gesellschaften und Kultur Europas geprägt haben und prägen. Nicht nur in französischen Banlieues und Favelas am Rande Lissabons wird deutlich, dass Europas multikulturelle Gegenwart nach wie vor von seiner kolonialen Vergangenheit gezeichnet ist. Rassismus und Armut sind Teil des Alltags vieler Schwarzer Europäer. Pitts folgt den Spuren James Baldwins, besucht in Berlin ghanaische Rastafarians, in Moskau die einstige Patrice-Lumumba-Universität. Meisterhaft verknüpft er dabei Reportage und literarischen Essay und schafft ein sensibles Porträt, das den Blick auf Europa verändert.

 

Afropäisch, Suhrkamp Verlag, 26 Euro

 

 

Corona Nights Hamburg von Tim Oehler

Es begann mit einem Post auf Instagram: Ein Ureinwohner St. Paulis teilte mit, er habe den Kiez noch nie so leer gesehen. Für den Hamburger Fotografen Tim Oehler der Impuls, sich die Kamera zu schnappen. Nächtelang begab er sich auf Motivsuche. Vom Flughafen bis zum Horner Kreisel und zur Elbchaussee. Wo sonst oder besonders in der Nacht das Leben pulsiert, waren auf einmal Langzeitbelichtungen möglich. Überall absolute Stille, minutenlang keine Menschen und Autos. In diesem Band trägt Oehler, seit Jahren fotografischer Dokumentarist der Nacht, das Beste seiner Bildertour zusammen. Fremd und vertraut zugleich, fügen sich die Bilder des mehrwöchigen Lockdowns und der Abwesenheit jeder urbanen Mobilität zu einem Stadtporträt von bizarrer Schönheit, das in vergleichbarer Form wohl nie wieder zu fotografieren sein wird.

Corona Nights Hamburg, Junius Verlag, 39,90 Euro

 

 

Lieber Besucher aus dem All von Sophie Blackall (übersetzt von Anna Schaub)

 

Die Idee zum Buch kam der australischen Illustratorin im Himalaja. Dort sprach sie in einer winzigen Schule hoch auf einem Berg mit Schülerinnen und Schülern über deren und ihr Leben. Wie erzählt man jemanden von dieser Welt, der nicht die gleiche Sprache spricht oder gar ein ganz anderes Leben kennt? Jeder Mensch hat andere Eltern, andere Zuhause, isst anderes Essen und dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten. In diesem Buch ist es der Junge Quinn, der einem Wesen aus dem All die Welt und das Leben darauf erklärt. In eindrucksvollen Zeichnungen, die nicht nur Kinder begeistern, gelingt es Blackall in verständlicher Sprache den Facettenreichtum der Menschen und Lebewesen auf dieser Erde darzustellen. Und ganz ohne erhobenen Zeigefinger ruft sie liebevoll zu einem guten Miteinander auf.

Lieber Besucher aus dem All, Nord Süd Verlag, 18 Euro

 

 

Götter und Tiere von Denise Mina (übersetzt von Karen Gerwig)

 

Einen fremden kleinen Jungen im Arm, hockt Martin im Glasgower Dezemberregen auf einer Bordsteinkante. Beide sind blutbespritzt und klammern sich halb taub aneinander. Doch im Gegensatz zum Großvater des Jungen leben sie noch. Ein Überfall auf eine Postfiliale endet im Blutbad. Martin Pavel, selbst noch unter Schock, muss jetzt einige Fragen beantworten. Schon seine Herkunft gibt Kriminalermittlerin Alex Morrow Rätsel auf, und auch sonst scheint der junge Mann ein besonders undurchsichtiger Typ zu sein. Was bedeuten die seltsamen Tattoos, die er trägt? Und warum steht auf seinem Hals Beasts? Detective Sergeant Alex Morrow und ihr Partner DC Harris untersuchen, was hinter dem Massaker in der Post steckt. Parallel versucht jemand, die Glasgower Polizei zu Marionetten zu machen … Schottland noir – großartig!

Götter und Tiere, Ariadne Verlag, 21 Euro

 

 

 

Die verschwindende Hälfte von Brit Bennett (übersetzt von Robin Detje und Isabel Bogdan)

 

Mallard, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger werden. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern mit ganz unterschiedlichen Wesen. Aber sie sind sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich. In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Unbemerkt von den Weißen tritt Stella durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür – und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann.

Nachdem wir Brit Bennett mit ihrem Debüt „Die Mütter“ zur Lesung in unserer Buchhandlung empfangen hatten, war unsere Vorfreude auf „Die verschwindende Hälfte“ stark. Nun sind wir beeindruckt.

Die verschwindende Hälfte, Rowohlt Verlag, 22 Euro

 

 

Flo, der Flummi und das Schnack von David Rupp (Herausgeber) und Martina Liebig (Illustrationen)

Was haben Juli Zeh, Olli Schulz, Tino Hanekamp und Olga Grjasnowa gemeinsam? Sehr viel Fantasie und einen Platz in „Flo, der Flummi und das Schnack“, dem Vorlesebuch für Kinder und Eltern, die sich nicht langweilen möchten! Die Geschichten erschienen einzeln im Magazin NIDO. Dort durften Schriftsteller*innen und Musiker*innen und viele andere tolle Künstler*innen jeweils eine Vorlesegeschichte für Kinder schreiben. Und wovon sollten die schon handeln? Natürlich von Wollmäusen, vom König der Äpfel, von Erster, dem Entdecker, von langsamen Tigern, von Karl Sparka, der nicht malen kann, oder von Paraplü, dem Stachelschwein. Martina Liebig hat zu den 31 Geschichten zauberhafte Illustrationen geschaffen. Dieses Geschichtenbuch ist für Groß und Klein das perfekte Weihnachtsgeschenk!

 

Flo, der Flummi und das Schnack, KiWi Verlag, 22 Euro

 

 

Das Experiment sind wir von Christian Stöcker

 

Drei der entscheidenden Entwicklungen, die unsere Zukunft im 21. Jahrhundert bestimmen werden – die der Weltbevölkerung, die des Klimawandels und die von digitaler Hardware – haben etwas gemeinsam. Sie sind Phänomene des exponentiellen Wachstums und der sogenannten Großen Beschleunigung. Die schlechte Nachricht: Schon immer haben wir Menschen uns schwer damit getan, solche Entwicklungen zu Ende zu denken. Die gute: Wir sind eine lernfähige Spezies … Wird es uns gelingen, die mächtigen technologischen Entwicklungen so einzusetzen, dass sie uns und die Erde retten? Schaffen wir es, uns an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen? Christian Stöckers Buch ist eine panikfreie und präzise Analyse des großen Experiments Menschheit und ein Aufruf, jetzt neues Wissen zu erschließen und die Große Beschleunigung zu lenken.

 

Das Experiment sind wir, Blessing / Random House, 22 Euro

 

 

Accidentally Wes Anderson von Wally Koval (übersetzt von Mia Pfahl)

 

Die Filme des Regisseurs Wes Anderson bestechen vor allem durch eines: ihre einzigartige, unverkennbare Bildsprache. Ungewöhnliche, teils bizarre Szenerien – häufig symmetrisch, mit weichen Pastelltönen oder kraftvollen Mustern. Eine ganz besondere Ästhetik, die Millionen Fans lieben. Und zwar so sehr, dass sie sich weltweit auf die Suche begeben und Orte aufspüren, die aussehen, als seien sie einem Wes-Anderson-Film entsprungen – accidentally Wes Anderson eben. Ergänzt um Geschichten zu den abgebildeten Plätzen und Gebäuden sowie über die Menschen hinter den Fassaden, zeigt dieser Band die schönsten und schrägsten Fundstücke. Vom Wiener Amalienbad über die rosafarbene Fassade der Central Fire Station in Marfa, Texas hin zum einsamen Cape-Bruny-Leuchtturm vor der Küste Tasmaniens. Kopf-Reise-Kino vom Feinsten!

 

Accidentally Wes Anderson, Dumont Verlag, 28 Euro

 

 

cohen+dobernigg

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Sternstraße 4

20357 Hamburg  

Telefon: 040 401 85 110  

Fax: 040 401 85 111

 

Öffnungszeiten

 

Montags-Freitags

10:00 – 20:00 Uhr

 

Samstags

10:00 – 18:00 Uhr

Protokolle: Lesley Sevriens

Fotos: codobuch.buchkatalog.de

 

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